«Selbst»-vergebung?

Schuldgefühle – sich selbst vergeben – Neuanfang
oder: Wie kriege ich meine Schuldgefühle weg

Unser Gott ist voller Liebe und Erbarmen. Wenn wir versagen, vergibt er uns, sobald wir unsere Sünden bekennen und uns von unseren falschen Wegen abwenden. Er löscht all unsere Schuld. In 1. Johannes 1,9 lesen wir: «Wenn wir aber unsere Sünden bekennenso ist er treu und gerechtdass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit». Gott verspricht auch: «Denn ich werde ihnen alles Unrecht vergeben und werde nie mehr an ihre Sünden denken»(Hebräer 8,12)

Wir sind da oft viel nachtragender. Wir wissen, dass Jesus die Strafe für uns am Kreuz trug und reumü­tigen Sündern vergibt. Damit wird in Gottes Büchern alles Negative, alle Schuld, alles Böse ausradiert.

Trotzdem kramen wir unsere vergangenen Fehler in unseren Gedanken regelmäßig hervor und sind nicht in der Lage, Gottes Gnade auch für uns anzunehmen und ein Leben voller Frieden und Freude zu geniessen, so, wie Gott es eigentlich für uns bereithält.

Wir denken, wir müssten immer wieder für das, was wir falsch gemacht haben, bezahlen. Was wir bei anderen oft viel schneller können, kann uns bei uns selbst so unendlich schwerfallen.

Schuldgefühle rauben viel Energie, weil man ganz viel damit zu tun hat, sich selbst wieder ins Gleich­gewicht zu bringen. Es ist wichtig, sich selbst zu vergeben. Denn ständiges Grübeln, Selbstzweifel oder -vorwürfe können auf Dauer eine richtige Belastung sein. Und es zeigt, dass wir das Angenommensein durch Christus nicht tief bejaht haben und deshalb auch nicht glauben, dass sein Erlösungswerk für uns völlig ausreicht. Wenn wir dauernd beschäftigt sind mit unseren Sünden aus der Vergangenheit, den Problemen der Gegenwart und mit Charakter­schwächen, dann wühlt das unsere Emotionen selbstzerstörerisch auf und sperrt uns in den Kerker des Ichs und verdunkelt die Gegenwart unseres mitfühlenden Gottes und Vaters. Doch das muss nicht so bleiben. Wir dürfen unsere Vergangenheit loslassen und hoffnungsvoll nach vorne schauen. Dazu hilft uns das anhaltende Gebet. Wir müssen nicht an dem Vergangenen festhalten, sondern uns von Jesus Christus abhängig machen.

Ein Beispiel dazu finden wir in der Bibel. Der Jünger Petrus hatte sich um Jesu willen von manchem losgesagt. Er hatte seinen Fischerberuf aufgegeben und war von seiner Heimat und seiner Familie weggezogen und Jesus nachgefolgt. Er selber stellte einmal fest: «Wir haben alles verlassen und sind die gefolgt» (Markus 10,28) War das etwa nicht genug? Als es kritisch wurde, ging Petrus einen Schritt weiter als die anderen Jünger. Nach der Verhaftung Jesu hatten diese das Weite gesucht. Nicht so Petrus. Er blieb seinem Meister treu. Er folgte ihm nach bis in den Hof des Hohepriesters. Doch dort kam auch für ihn der Moment, an dem seine Kraft zu Ende war. Als er sich am Kohlefeuer wärmte, verleugnete er seinen Meister dreimal.

Petrus musste merken, dass er von sich aus nicht ein Jünger von Jesus sein konnte. Unser Herr Jesus Christus hat aus diesem Verleugner einen der wichtigsten Apostel gemacht, der für seinen Meister manches erlitt und am Ende seines Weges sogar für ihn in den Tod ging. «Was bei den Menschen nicht möglich ist, ist möglich bei Gott».

Im 1. Johannesbrief, (Kapitel 3, Vers 20) heißt es: «Wenn uns unser Herz verdammt, ist Gott größer als unser Herz und erkennt alle Dinge». Schuldgefühle schwächen unsere Beziehung zu Gott. Denn wenn wir zulassen, dass Schuldgefühle uns immer weiter belasten und uns vielleicht geradezu zermürben, nachdem wir um Vergebung gebetet haben, kann uns das sogar von Gott entfernen.

In Johannes 6,37 lesen wir: «Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstossen». Wenn wir etwas falsch machen, können wir um­kehren, Gott um Vergebung bitten und dank des Opfers Jesu wieder rein werden. Uns selbst zu ver­geben ist ein Zeichen dafür, dass wir Gott glauben. Wenn wir dieses Geschenk der Vergebung an­nehmen, dann werden wir nicht verurteilt um des Bösen willen, das wir getan haben, weil das Urteil schon vollstreckt ist. Gottes Zuwendung gilt allen – aber sie gilt in besonderem Mass denen, die um ihre Gottesbedürftigkeit wissen, die nichts auf ihrem frommen Punktekonto vorzuweisen haben. Das bedeutet natürlich nicht, dass wir tun und lassen dürfen, was wir wollen, weil Jesus ja ohnehin schon alles bereinigt hat. Doch es bedeutet, dass wir im Glauben vorangehen dürfen, sobald wir um­ge­kehrt sind. Wir sollen uns nicht mit vergangenen Fehlern aufhalten.

«Sich selbst zu verzeihen» bedeutet, dass man Gott beim Wort nimmt.

Es gibt nichts, das uns mehr stärkt, als in der Verbindung mit Jesus und seinem Wort zu leben. Am Abend blicken wir zurück auf den Tag, nicht mit den Augen der Selbstanklage, sondern mit den lieben­den Augen Gottes. Wir freuen uns über die kleineren und grösseren Siege des Guten über das Böse, die uns geschenkt wurden. Und wir legen die Nieder­lagen vor Gott ab, im Vertrauen darauf, dass die Kraft seiner Güte und Vergebung in unserer Schwäche wirkt. Diese Kraft beflügelt uns, immer neu auf­zustehen, das Leben zu ergreifen, das Gott uns schenkt und Wege des Friedens (mit uns selbst) zu wagen.

ez

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